Tanz zwischen Tun & Sein

Simone

Tanz zwischen Tun & Sein

11 Nov 2018 Comments Closed 224 Views

Ohne Erwachen sind wir meist verloren im Tun, haben das Gefühl von Sein vergessen während man tut, agiert oder denkt – dies ist auch tun. Das Erwachen ist das Zusammenbringen dieser zwei Dimensionen von Tun und Sein, also im Sein verwurzelt zu bleiben während man agiert.

Wie geht der Weg zum Erwachen, zur Gegenwärtigkeit?

Die Welt ist dafür da, uns tiefer dahin zu bringen. Bei den meisten geschieht dies durch Frustration, Leid, Schwierigkeiten. Tanzen mit den Aktivitäten des Lebens ist schön, gleichzeitig wissend, dass alle Form verloren geht. „Warum tut das Leben mir das an?“, klagen viele. Jedoch  jedem Menschen tut das Leben gewisse Herausforderungen an. Man sieht oft bei anderen nur die eine Seite, z.B. wie sie ein rauschendes Fest feiern, aber nicht wie sie sich einige Stunden später fühlen mit Übelkeit usw. Das Leben ist fair, aber nicht nach der einfachen Weise, wie das Ego meint, das es sein sollte. Wenn wir lange in unserer Komfortzone sind, dann schlafen wir ein, fallen unter den Zustand des Denkens. Das Leben bringt uns immer wieder in Situationen der Frustration.  Es geht aber um den Zustand der Gegenwärtigkeit oberhalb des Denkens, ohne Anhaftung an Ego-Konzepte.

Im goldenen Zeitalter vor vielen 1000 Jahren war die Menschheit im Sein, allerdings ohne Bewusstsein, also ohne sich selbst zu erkennen. Die Entwicklung ging dann über eine immer stärker werdenden Individualisierungsprozess, Aufbau des Ego mit Verhaftungen im Denken durch Bewertungen. Je stärker dieses Denken mit Bewertungen, desto größer ist das Ego.Daraus entstanden wunderbare Erfindungen, doch nun ist es an der Zeit über das Denken hinaus zu gehen in die Freiheit des bewussten Seins.

Wir können dies in allen Alltagssituationen üben, in dem wir nur beobachten ohne Bewertung, uns selbst dabei beobachten, ob wir in Konzepte und Denkmuster fallen. Zum Beispiel an der Kasse anstatt innerlich in einen ärgerlichen Dialog einzusteigen über die Langsamkeit der Kassiererin oder die unangenehmen Menschenmassen um einen herum alles offen beobachten mit offenem Herzen: „all diese Waren kann man kaufen, oh wie schön, ich muss nicht mehr jagen und sammeln“ statt „heute sind die Bananen zu weich, wie schrecklich….“

Diesen offenen Geist kann man lernen, einfach durch tägliches Üben. Das „Nichtdenken“ bedeutet nicht, dass man nun verdummt. Im Gegenteil, all das sinnlose Geschwätz im Kopf hört auf, das großen Energieaufwand verschlingt. Stattdessen erlernt der Mentalkörper das effiziente Denken, immer wenn nötig mit besseren Lösungen, da keine Überfrachtung durch das „Schleifen-Denken“ mehr geschieht sondern Klarheit. Somit entwickelt man praktische Intelligenz, die unterstützt wird von Intuition und dem Unterbewusstsein.

Bei Tieren erkennen wir noch diesen historischen Zustand vom Flow in der Gegenwart. Eine schnurrende Katze auf dem Bauch bringt uns in die Zeitlosigkeit, ein schwanzwedelnder Hund in die Freude des Augenblicks. Bäume zeigen uns eine noch größere Dimension der Zeitlosigkeit und Gegenwärtigkeit. Beim Anlehnen an einen altehrwürdigen Baum summt uns der Urton der Weltenschöpfung entgegen.

(Essenzen aus einem Vortrag von Eckart Tolle)

 

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