Perfektionismus versus Gelassenheit – ein Widerspruch?

Simone

Perfektionismus versus Gelassenheit – ein Widerspruch?

05 Mai 2019 Comments Closed 84 Views

Eigentlich war die Idee ganz einfach: an Muttertag öffnen wir unseren Garten mit Führungen, schenken gratis Ableger, geben Tipps und tauschen uns freudvoll mit anderen Gartenliebhabern aus. Doch dann zeigte sich mein Perfektionismus: wir könnten doch Kaffee und Kuchen anbieten, natürlich alles Bio und selbstgemacht und vielleicht sogar einen kleinen Rosensekt und schöne Sitzplätze richten und… Dazu wurden Oma und Tochter herbei gerufen, gebacken, gerichtet und dann erschöpft am Sonntag die Gartentüre geöffnet. Die Besucher freuten sich über die Führungen, plauderten lange, aber nur wenige hatten Lust auf Kuchen. Die zusätzlichen Sitzplätze blieben leer, denn der Garten wollte ja begutachtet werden. Fazit: vom Gefühl her etwas Frust, die Freude am Erfolg des Gartens in Konkurrenz zur Küche voller Kuchen… eine gute Idee, die einfach gegangen wäre und dann habe ich den Weg des Einfach Seins verlassen… Kennt Ihr das auch? Und gerade rechtzeitig kommt dazu ein Newsletter von der Stiftung unseres Referenten Steffen Lohrer.

Wie freue ich mich auf den gemeinsamen Kongress mit den hilfreichen Themen von Steffen Lohrer „die universellen Gesetze von Gesundheit, Glück & Gelassenheit“ und Dr. Jochen Niemuth mit den entscheidenden Fragen „Was treibt mich an? Was will ich wirklich?“

Vorteile und Nachteile von Perfektionismus
Perfektionisten erbringen durch ihre hohen Ansprüche an sich selbst oftmals tolle Leistungen und sind häufig sehr erfolgreich in dem, was sie tun.
Aber selbst, wenn sie all das schaffen, was sie sich vornehmen, fühlen sie sich oft nicht glücklich oder nehmen ihre Erfolge nicht als solche wahr. Sobald sie ihre Ziele erreicht haben, sehen sie schon die nächste Herausforderung – schließlich geht es immer noch besser. Zufrieden ist ein Perfektionist deshalb nur ganz selten. Und sobald ein Ziel erreicht wurde, wird die Messlatte gleich wieder höher gehängt.

7 Tipps für mehr Zufriedenheit
Hohe Ansprüche an sich selbst zu haben ist prima und auch das Streben nach Erfolg ist vollkommen menschlich. Aber vielleicht kannst du dir dein Leben sehr viel einfacher machen, wenn du dich einmal fragst, an welcher Stelle deine Ansprüche sehr hoch oder überhöht sind. Falls du das bei dir feststellen kannst, dann kannst du ein Stück mehr Zufriedenheit und Ruhe in dein Leben bringen, indem du dich gezielt von diesen überhöhten Ansprüchen verabschiedest. Es gilt, hier die richtige Balance für sich zu finden.
Folgende Tipps können dir dabei helfen:
1. sich selbst anerkennen
2.sich von überhöhten Ansprüchen verabschieden
3. lieber effizient als perfekt
4. den richtigen Maßstab wieder herstellen
5. vergiss den Wunsch nach absoluter Kontrolle
6. Erfolg bewusst anerkennen und genießen
7. Lerne Gelassenheit
Hier die ausführlichen Anleitungen:

Tipp 1: Sich selbst anerkennen

Das Wichtigste, was du als Perfektionist lernen musst, ist, dich selbst so anzuerkennen, wie du jetzt gerade bist.
Du darfst unperfekt sein und du darfst auch Fehler machen. Wer keine Fehler macht, der lernt auch nicht. Und auch wenn du deiner Vision von einem besseren Selbst stetig hinterherrennst, mach dir bewusst: Du bist mehr wert als die Summe deiner Leistungen und Taten.
Genauso wie du andere Menschen unabhängig von ihren Leistungen magst, weil sie eben so sind, wie sie sind, darfst du dich selbst auch lieben und anerkennen. Mach dir bewusst: Ausnahmslos jeder Mensch hat Makel und macht Fehler. Das ist vollkommen normal und du darfst das auch!
Jeder von uns hat einen „inneren Kritiker“ in sich, der gerne alles, was wir tun, schlechtredet und uns dadurch herunterzieht. Bei Perfektionisten hat dieser kleine Richter aber zumeist die Oberhand gewonnen und kritisiert ununterbrochen drauflos. Um mit deinem inneren Kritiker besser zurechtzukommen, kannst du lernen, konstruktive Selbstgespräche zu führen.
Frage zum Weiterdenken: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich mich öfter und stärker selbst anerkennen könnte?

Tipp 2: Sich von überhöhten Ansprüchen verabschieden

Hast du für die an dich selbst gestellten Ansprüche eigentlich eine Art „Vorbild“ aus dem realen Leben? Wen kennst du aus deinem Umfeld, der in deinen Augen perfekt ist oder ein perfektes Leben hat?
Oftmals konstruieren wir uns unsere Vorbilder ja aus vorgegebenen Idealen, die wenig mit der Realität zu tun haben. Der von den Medien ausgelöste Figurwahn ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Wie viele Menschen mit der perfekten Figur kennst du aus deinem Bekanntenkreis?
O. k., machen wir es doch noch etwas schwieriger: Wie viele Menschen mit perfekter Figur, Glück in der Partnerschaft und Erfolg im Beruf kennst du persönlich? Es werden wahrscheinlich nur sehr wenige sein, die all diese Kriterien erfüllen können.
Weshalb fühlst du dich also schlecht, wenn du das nicht alles erfüllen kannst? Es ist so gut wie unmöglich, überhöhte Ansprüche dauerhaft zu erfüllen, ohne dass es dich übermäßig viel Kraft kostet.
Mach dir immer wieder bewusst: Menschliche Perfektion existiert nicht, also verabschiede dich von dem Anspruch, perfekt sein zu können. Lass den Perfektionismus hinter dir.
Erkenne an, dass jeder Mensch Grenzen und der Tag „nur“ 24 Stunden hat. Auch du musst mit deinen Ressourcen haushalten und dir Prioritäten setzen.
Frage zum Weiterdenken: Wie wäre mein Leben, wenn ich meine überhöhten Ansprüche durch solide und realistische Ansprüche ersetzen würde?

Tipp 3: Lieber effizient als perfekt


Perfektionisten sind große Energieverschwender. Sie erzielen oft tolle Ergebnisse, die sie jedoch unverhältnismäßig viel Kraft kosten. Perfektionismus ist also auch ein Energieräuber.
Als Perfektionist arbeitest du lieber noch eine Nacht durch, um auch noch die letzten 5 % herauszukitzeln, statt unvollkommene Arbeit abzuliefern. Dabei gilt es als erwiesen, dass man mit weniger Kraftaufwand nahezu ähnlich gute Ergebnisse erzielen kann.
Diese Erkenntnis nennt sich auch die 80-zu-20-Regel oder das Paretoprinzip. Demnach werden 80 % unserer Erfolge von nur 20 % unserer Anstrengungen verursacht. Für die restlichen 20 % unserer Erfolge verwenden wir aber 80 % unserer Kraft. Das ist ineffizient und kraftraubend.
Außerdem ist das Streben nach den perfekten 100 % auf Dauer nicht gesund, denn Perfektionisten gönnen sich für gewöhnlich nur sehr wenige Ruhepausen. Und das führt dann über kurz oder lang in die Erschöpfung.
Setz deine Ressourcen also lieber klug ein und geh von nun an nach dem Motto vor: So gut wie nötig! Mach für dich daraus eine Herausforderung und versuch einmal, mit weniger Krafteinsatz nahezu gleich gute Endergebnisse zu erzielen.
Frage zum Weiterdenken: Was könnten die 20 % in meinem Leben sein, die die 80 % meines Erfolgs ausmachen? Im Beruf? Im Privatleben? Für welche Erfolge muss ich die meiste Energie aufwenden?

Tipp 4: Den richtigen Maßstab wiederherstellen

Was ist dein Idealbild von einem perfekten Leben? Hast du ein reales Vorbild, zum Beispiel einen Menschen aus deinem Bekanntenkreis, der deinem Idealbild eines perfekten Lebens am nächsten kommt? Was gehört alles zum perfekten Leben dieser Person dazu? Stell dir einmal die Frage, ob dein Vorbild wirklich der Realität entspricht und nicht vielmehr nur einer sehr guten Fassade.
Wenn du ein reales Vorbild im Kopf haben solltest, gib dieser Person auf einer fiktiven Punkteskala von 0 bis 10 den „Perfektions-Maximalwert“ von 10.
Ein Beispiel: Dein Vorbild hat eine glückliche Familie, ist finanziell wohlhabend und hat einen tollen Beruf (10 Punkte).
Überlegen dir nun einmal, wie eine Person sein müsste, die genau das Gegenteil davon ist und einen Punktewert von 0 erreicht. Diese Person hätte beispielsweise eine vollkommen zerrüttete Familie, nagt am Hungertuch und ist arbeitslos (0 Punkte). Schreiben dir deine Beispiele für 10 und 0 Punkte auf.
Überleg dir dann, was du erreichen müsstest, um auf dieser Skala 8 Punkte zu erzielen. Danach ordne dir selbst auf dieser Punkteskala deinen aktuellen Wert zu.
Sei von nun an effizient statt perfektionistisch und versuche 80 % zu verwirklichen, also die 8 Punkte auf Ihrer Skala zu erreichen. Dies ist ein gutes Maß, woran du dich in Zukunft orientieren kannst.
Frage zum Weiterdenken: Was würde passieren, wenn ich mich nicht mehr so stark an gesellschaftlichen Vorbildern und Idealvorstellungen orientieren würde, sondern mehr an meinen eigenen Bedürfnissen?

Tipp 5: Vergiss den Wunsch nach absoluter Kontrolle

Jeder möchte das volle Potenzial seines Lebens ausschöpfen. Dabei ist es eine falsche Vorstellung, zu glauben, das Leben wäre vollkommen planbar.
Natürlich können wir uns Dinge vornehmen und sie dann umsetzen. Sich Ziele zu setzen ist gut und wichtig. Allerdings wird man nur selten eine 1:1-Umsetzung eines Plans in die Realität erreichen. Mal ehrlich: Irgendwie wäre das Leben dann doch auch langweilig, oder? 😉
Wenn du denkst, du müsstest dein Leben perfekt durchplanen, um am Ende das zu erreichen, was du willst, dann wirst du über kurz oder lang zum Kontrollfreak. Du verlierst deine Flexibilität und deine Offenheit für die Chancen, die dir das Leben bietet. Das ist die Kehrseite des Perfektionismus
Lerne auch hier wieder das gesunde Maß: Ziele und Pläne im Leben sind sehr wichtig. Fokussiere dich aber immer nur auf den nächsten Schritt auf dem Weg zu deinem Ziel. Mehr kannst du nicht tun.
Denn ein perfektes Leben nach Drehbuch gibt es nicht, renn also keiner Illusion hinterher. Schmiede deine Pläne, doch bleib offen für die Wege, die das Leben dir anbietet. Ohne Perfektionismus läuft dein Leben leichter.
Frage zum Weiterdenken: Kontrolle geht auf Kosten der Lebendigkeit. Wie würde ich mich fühlen, wenn ich diese Woche die Kontrolle um gefühlt 10 % aufgeben würde?

Tipp 6: Erfolge bewusst anerkennen und genießen

Lerne, deine Erfolge bewusst wahrzunehmen und sie zu genießen. Nur wenn du deine Erfolge auch als solche wahrnimmst, erkennst du deine eigene Leistung wirklich an.
Um das zu üben, kannst du dir mit einem mal nicht ganz so kritischen Blick auf dich selbst schriftlich folgende Fragen beantworten:

  • Was musste ich tun, um ___________________ zu erreichen?
    (Schreib jeden einzelnen Schritt auf deinem Weg zum Ziel auf und benutze dabei so viele Verben wie möglich. Also z. B. „Ich musste regelmäßig 2-mal pro Woche trainieren“, statt „regelmäßiges Training 2-mal pro Woche“)
  • Hätte jeder andere das genauso gut hingekriegt?
  • Wo stand ich bezüglich meines Ziels vor 2 Jahren?

Ein Beispiel: Holger ist mit seiner Fußballmannschaft Meister geworden:
Was musste ich (Holger) dafür tun?

  • Ich musste 8 Monate lang Woche für Woche 2-mal trainieren.
  • Ich musste meine Wochenenden für die Fußballspiele opfern.
  • Ich musste mich zurücknehmen, wenn ich mal nicht spielen durfte.

Hätte das jeder andere genauso gut hingekriegt?

  • Auf keinen Fall. Das war sehr anstrengend, viele hätten vorher aufgegeben.

Wo stand ich bezüglich meines Ziels vor 2 Jahren?

  • Vor 2 Jahren bin ich gerade erst zur Mannschaft dazugestoßen und damals spielten wir noch gegen den Abstieg.

Wenn du nach der Beantwortung dieser Fragen für dich das Gefühl hast, dass du etwas Tolles geleistet hast, dann darfst du dir gern auch mal auf die Schulter klopfen und dann solltest du das Erreichte auch einmal ausgiebig genießen. Dafür kannst du den Perfektionismus dann getrost hinter dir lassen.
Geh dafür in Gedanken einmal die Momente der Freude durch, die du auf dem Weg zum Ziel und beim Erreichen des Ziels hattest. Schwelge ruhig ein wenig in deinen Erinnerungen. Sei zufrieden mit dir! Belohne dich für deine Leistung mit etwas, wobei du dich so richtig gut entspannen kannst.
Füll deine Kraftreserven nach jedem erreichten Ziel in dieser Form wieder auf.

Tipp 7: Lerne Gelassenheit

Wenn du gelassen bist, kannst du auch mal fünfe gerade sein lassen. In einem gelassenen Zustand bist du anderen und insbesondere dir selbst gegenüber viel toleranter. Du nimmst alles nicht ganz so ernst.
Meistens gehen die Dinge auch ganz prima voran, ohne dass du dir immer vorher so viel Stress und Sorgen machen. Lerne also, darauf zu vertrauen, dass alles gut wird, auch wenn nicht alles exakt nach Plan läuft. Versuche dem Perfektionismus ein wenig mehr die kalte Schulter zu zeigen.
Wie geht das genau?
Eine Möglichkeit: Übe Gelassenheit, indem du pro Woche einen „Schluder-Tag“ machst, an dem du absichtlich unperfekt bist.
Schlüpfen für diesen Tag in eine andere Rolle. Tu die Dinge dann bewusst nicht so wie gewöhnlich, sondern mach es so, dass du gerade noch damit leben kannst. Wenn du dir also für gewöhnlich schon am Vorabend die Kleidung für den nächsten Tag raussuchst, dann verzichte für den Schluder-Tag bewusst darauf.
Nimm dir morgens nur 1 Minute Zeit, dich für dein heutiges Outfit zu entscheiden, und zieh Sie das dann auch an, denn diese Entscheidung ist heute nicht so wichtig. Mach alles, was du tust, bewusst unperfekt und übe, damit gelassen umzugehen.
Setz deine Entscheidungen dafür ruhig auch mal in einen größeren Kontext und frag dich: Wie wichtig ist es eigentlich für mein Leben, dass ich jeden einzelnen Tag top gestylt zur Arbeit gehe? Ist Perfektionismus an dieser Stelle wirklich sinnvoll? Und vergiss dabei nie: Dein Wert als Person hängt nicht von deinen Erfolgen und Taten ab.
Frage zum Weiterdenken: Wie würde sich mein Gefühlsleben ändern, wenn ich öfter gelassen sein könnte?
@Mathias Rudolph

 

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